Die Gegenwart existiert nicht.
Kann das denn sein? Ich lebe doch in der Gegenwart!
Die Gegenwart hält sich zwischen Vergangenheit und Zukunft auf. Sie ist dort zu finden als zeitlicher und örtlicher Spalt.
Ist sie eingeklemmt? gequält? dazwischengeschoben?Welche Ausdehnung hat sie? Sobald Gegenwart passiert ist sie schon weg: ein Punkt also?
Ein Punkt hat aber gar keine Ausdehnung. Ein Punkt ist ein Nichts und doch existent. So ist es auch mit der Gegenwart.
Die Gegenwart ist ein Stückchen Zeit. Im Mittelalter bedeutet das Anwesenheit. Eine Definition von Zeit entsteht im 18.Jahrhundert und zwar als Arbeitsrhythmus.
Bei meiner Recherche stiess ich auf folgende Denkansätze zum Wort Gegenwart:
a. soziologischer: Erinnerung, Geschichte, Vergangenheit und Angst bzw Visionen bezüglich von Entwicklung und Zukunft – zeitsoziologisch: Arbeitsrhythmus
b. psychologisch: Kognitionspsychologie: Selbstwahrnehmung nur im Hier und Jetzt erfahrbar. Kontakt zu Innerem. Achsamkeit.
c. philosophisch: Wesen der Zeit, unmöglich, sinnlich zu erfassen. Bewußte Wahrnehmung ist zugleich ein Widerspruch. Bezug Sterblichkeit: Weiterkeben durch Sinngebung des Lebens
d. religiös: gegenwärtiger Augenblick ist Ort des ewigen Lebens (Hinduismus, Buddhismus). In den abrahamitischen Religionen ist ewiges Leben ausgerichtet auf Zukunft, das Himmelreich.
Und doch definiert im Alltagsleben einjeder Gegenwart ganz individuell, eher gefühlsmäßig als mit dem Verstand.
Immer auf die Zukunft gerichtet: eine Aneinanderreihung von Gegenwart als Punkte……….
Doch sie existiert nicht. Nicht einmal als Gedanke.
