Warm und Kuschelig

als ich vor 10 Tagen die Haustür aufschloss, prankte ein Zettel unübersehbar an der Wand, der über den Ausfall unserer Heizung informierte. Und wirklich waren alle Heizkörper in meiner Wohnung kalt. Ich hebelte den Wasserhahn auf Wärmeposition und ließ das Wasser einige Zeit kräftig laufen: tatsächlich, es blieb kalt! Was nun? In der Zeit meiner Abwesenheit hatte sich ein Dunst von Restwärme erhalten, den ich vorerst genoß, doch bald begann ich leise zu frieren, klaubte Decken zusammen und kochte heißen Tee. So saß ich eingewickelt und von Tee gewärmt mit einem Buch versehen auf dem Sofa, las und vergaß.

2 Stunden mussten etwa vergangen sein, ich fröstelte, mein Magen knurrte und ich dachte mir ein vorzügliches Abendessen aus. Vorher aber hüpfte und steppte ich im Zimmer herum, um meine steifen Glieder zu lockern. So, jetzt kann’s los gehen und nach einer Weile köchelte die Rindfleischsuppe lieblich im Topf. Köstlicher Dampf stieg auf und erfüllte die Luft mit Wärme und Wohlgeruch. Ich löffelte mit großem Behagen bis meine Wangen glühten. Jetzt noch eine zauberhafte JazzCD einfädeln und wieder ab auf’s Sofa. Es wurde ein mollig-gemütlicher Leseabend. Spät erst schob ich mich unter mein kühles Plumeau und schlief entspannt ein.

Tagsdrauf die Ernüchterung, Duschen?? Bibber, Biiiibbber. Hilfe, neeeein! Also fix Wasser gekocht und mit Waschlappen bewaffnet den Körper abreiben. Ich erinnerte mich an die Elternhäuser meiner Eltern, die keine Badewanne oder Dusche besaßen und solcherlei Waschungen zum normalen Aufstehritual gehörten. Auch ich wurde von Muttern so gesäubert, wenn wir bei den Großeltern zu Besuch waren. Natürlich mit kaltem Wasser, denn die Öfen des Bauernhofes mußten erst mit Holz und Kohlen in Marsch gesetzt werden. Iiiihhhh, Gänsehaut, damals wie heute. Ich zog schnell den Bademantel über, schmiss die Kaffeemachine an und bald süffelte ich vorsichtig das heisse Gebräu. Flugs die Skiunterwäsche herausgekramt und Flausch-Hose nebst dickstem Wollpulli drüber. Nun aber lüften, denn jetzt erst bemerkte ich den faden Essensgeruch vom gestrigen Schmaus. Der Wind blies eisige Luft ins Zimmer. Ich dachte daran, wielange es immer dauerte bis die Stuben des Bauerhauses ein wenig Wärme aufnahmen und wie ich zappelte bis Mutter mir endlich einen Becher heißen Kakao reichte. Mein Vater stand im Türrahmen, beobachtete das Geschehen und sagte: Kind, Du mußt mehr essen, Du bist nicht isoliert!

6 Tage vergingen, bis die Heizung repariert war. Die Wohnung kühlte derweil heftig aus. Flüchten war unmöglich, denn in Corona-Zeiten waren Restaurants und Cafés geschlossen, Freunden wollte ich nicht auf den Leib rücken. So rannte ich am Elbufer herum, drückte mich dann von Laden zu Laden; auch in der Bibliothek war es wärmer als Zuhaus. Doch irgendwann quälte der Hunger und es zog mich heim.

Welche Wohltat, als die Heizungsrohre gurgelten, sich die Wärme allmählich ausbreitete und auch Wasser heiß aus dem Hahn lief. So wie immer…..selbstverständlich……..eben.

Waren sie wirklich so gut damals, die alten Zeiten?