Da mir ein inzwischen 4jähriges Enkelkind geschenkt wurde, beschäftige ich mich mit Kinderbüchern.
Eifrig laufe ich in die große Bibliothek am Ort und stöbere nach interessanten und natürlich! pädagogisch wertvollen Bilderbüchern. Letztlich sind es aber immer die Illustrationen, die zur Auswahl führen. Wie treffsicher Charaktere in ein paar Strichen formuliert oder überschwänglich farblich ausgearbeitet die Texte begleitet werden! Das beeindruckt mich! Da blitzt die ‚Kunsttante‘ in mir durch. Schwer beladen laufe ich mit den Schätzen nach Hause und freue mich diebisch auf die nächste Skyperunde mit meiner Enkelin. Sie sortiert gnadenlos und unbeeindruckt meine Favoriten aus und es bewahrheitet sich, daß Kindergeschmack nicht mit Erwachsenengusto übereinstimmen muß! Doch da keimt noch ein Gedanke in mir: Es ist unüberlesbar, daß Themen wie: Gemeinschaft, Freundschaft, Mut, Hilfsbereitschaft, Zuneigung, Achtung und Respekt vor Tieren, Pflanzen, anders-artigen und -denkenden Menschen sowie vor Hab und Gut und viele, viele andere für die Bildung von positiven Lebensgemeinschaften wichtige Eigenschaften ausführlich Kindern seit Generationen nahegebracht werden. Warum also wird unser politisches, wirtschaftliches und soziales Leben von Geld, Macht, Neid, Konkurrenz, Vorteilsnahme, Wettbewerb usw regiert? Gehen die werteverbundenen Geschichten und die preisgekrönte Pädagogik an den Ohren, Augen und Hirnen unserer Kinder vorbei?
Kinder schauen den Erwachsenen genau zu und lernen wenig von schön retuschierten Wahrheiten aus Büchern, wenn ihnen das Gegenteil in ihrer sozialen Umgebung widerfährt. Sollten wir Eltern ein schlechtes Vorbild sein, sodaß die folgenden Generationen dieselben verheerenden Dummheiten machen?
