Herr Rilke und ich

Weißt Du, ich will mich schleichen

leise aus lautem Kreis,

wenn ich erst die bleichen

Sterne über den Eichen

blühen weiß.

Wege will ich erkiesen,

die selten wer betritt

in blassen Abendwiesen?

und keinen Traum als diesen:

Du gehst mit.

Warm und Kuschelig

als ich vor 10 Tagen die Haustür aufschloss, prankte ein Zettel unübersehbar an der Wand, der über den Ausfall unserer Heizung informierte. Und wirklich waren alle Heizkörper in meiner Wohnung kalt. Ich hebelte den Wasserhahn auf Wärmeposition und ließ das Wasser einige Zeit kräftig laufen: tatsächlich, es blieb kalt! Was nun? In der Zeit meiner Abwesenheit hatte sich ein Dunst von Restwärme erhalten, den ich vorerst genoß, doch bald begann ich leise zu frieren, klaubte Decken zusammen und kochte heißen Tee. So saß ich eingewickelt und von Tee gewärmt mit einem Buch versehen auf dem Sofa, las und vergaß.

2 Stunden mussten etwa vergangen sein, ich fröstelte, mein Magen knurrte und ich dachte mir ein vorzügliches Abendessen aus. Vorher aber hüpfte und steppte ich im Zimmer herum, um meine steifen Glieder zu lockern. So, jetzt kann’s los gehen und nach einer Weile köchelte die Rindfleischsuppe lieblich im Topf. Köstlicher Dampf stieg auf und erfüllte die Luft mit Wärme und Wohlgeruch. Ich löffelte mit großem Behagen bis meine Wangen glühten. Jetzt noch eine zauberhafte JazzCD einfädeln und wieder ab auf’s Sofa. Es wurde ein mollig-gemütlicher Leseabend. Spät erst schob ich mich unter mein kühles Plumeau und schlief entspannt ein.

Tagsdrauf die Ernüchterung, Duschen?? Bibber, Biiiibbber. Hilfe, neeeein! Also fix Wasser gekocht und mit Waschlappen bewaffnet den Körper abreiben. Ich erinnerte mich an die Elternhäuser meiner Eltern, die keine Badewanne oder Dusche besaßen und solcherlei Waschungen zum normalen Aufstehritual gehörten. Auch ich wurde von Muttern so gesäubert, wenn wir bei den Großeltern zu Besuch waren. Natürlich mit kaltem Wasser, denn die Öfen des Bauernhofes mußten erst mit Holz und Kohlen in Marsch gesetzt werden. Iiiihhhh, Gänsehaut, damals wie heute. Ich zog schnell den Bademantel über, schmiss die Kaffeemachine an und bald süffelte ich vorsichtig das heisse Gebräu. Flugs die Skiunterwäsche herausgekramt und Flausch-Hose nebst dickstem Wollpulli drüber. Nun aber lüften, denn jetzt erst bemerkte ich den faden Essensgeruch vom gestrigen Schmaus. Der Wind blies eisige Luft ins Zimmer. Ich dachte daran, wielange es immer dauerte bis die Stuben des Bauerhauses ein wenig Wärme aufnahmen und wie ich zappelte bis Mutter mir endlich einen Becher heißen Kakao reichte. Mein Vater stand im Türrahmen, beobachtete das Geschehen und sagte: Kind, Du mußt mehr essen, Du bist nicht isoliert!

6 Tage vergingen, bis die Heizung repariert war. Die Wohnung kühlte derweil heftig aus. Flüchten war unmöglich, denn in Corona-Zeiten waren Restaurants und Cafés geschlossen, Freunden wollte ich nicht auf den Leib rücken. So rannte ich am Elbufer herum, drückte mich dann von Laden zu Laden; auch in der Bibliothek war es wärmer als Zuhaus. Doch irgendwann quälte der Hunger und es zog mich heim.

Welche Wohltat, als die Heizungsrohre gurgelten, sich die Wärme allmählich ausbreitete und auch Wasser heiß aus dem Hahn lief. So wie immer…..selbstverständlich……..eben.

Waren sie wirklich so gut damals, die alten Zeiten?

Corona Destillat

wie gemischte Brühe im Erlenmeyer-Kolben über eine Destillierschlange getrennt wird, so scheiden sich die Geister, die Paare und die Freunde während der Corona-Pandemie.

Ich beobachte, welche Macht unablässig wiederholte, pessimistische Nachrichten, selbst intelligente Menschen in Angst und Schrecken versetzten kann; einer Gehirnwäsche gleich, dabei sanft und unermüdlich. Die Macht der Worte träufelt Panik in jedermanns und jeder Frau’s Ohr. Denken, Kritik und vernunftgesteuertes Verhalten versagen komplett und eigenartigerweise betrifft dieser Angstwahn in großem Maße gutgestellte Rentner, die keinerlei Einbußen durch die Krise haben, bestens krankenversichert sind und mit ihren Partnern komfortabel im Eigenheim mit Garten leben. Welche Katartophe, nicht mehr zu den Kulturstätten pilgern zu dürfen, die Enkelkinder nicht mehr hüten, nicht mehr reisen und nicht mehr konsumieren zu dürfen! Dafür durchstehen sie ungekannte Szenen ihrer Ehe und entdecken wüste Seiten ihrer jeweiligen Partner. Die Hölle: man kann sich nicht mehr aus dem Wege gehen, muß sich arrangieren da, wo sich feste Strukturen und Hierarchien und Gewohnheiten gebildet haben. Um die Seele auch von dieser Pein zu entlasten beginnen sie in ihrer Unrast, ihre Habseligkeit neu zu ordnen und ihre Häuser zu renovieren und mit Hilfe von Interneteinkäufen auszustatten. Das hilft eine Weile. Aber was, wenn auch die letzte Ecke durchstöbert und geputzt, auch der letzte Winkel des Gartens durchforstet und neubepflanzt ist? Die Angst kehrt zurück…..und da die Zeit unaufhörlich vergangen ist, die Infektionsraten unerbittlich steigen, rückt der alte Mensch dem Tode nochmals etwas näher!!! Panik bricht aus, der Sensenmann in Form eines Virus bedroht meine nach all dem Aktionismus noch heilere, akribisch durchgeplante und noch sauberere Welt immer noch! Ich kann nicht weglaufen, wohin auch? Alles ist verboten, nicht mal mehr atmen darf ich ohne FFP2 Maske! Oh Jammer, Oh Graus! Freundschaften sind vernachlässigt auf der Strecke geblieben, die Ehe zerrüttet, mit wem rede ich denn nun außer mit mir selbst?

Angst führt zu sinnlosem, inkonsequenten und egoistischen Verhalten. Wieviele Menschen werden gequält durch Diktaturen, Kriege, Hunger, ihre Arbeitsbedingungen, Armut, Terror usw? Wieviele Menschen sind unter katastrophalen Bedingungen in Lagern, auf der Flucht und unvorstellbarer Gewalt ausgesetzt? Und natürlich zusätzlich noch dem Corona-Virus. Diese Menschen leben jahrelang in Angst und Schrecken. Aber die rüstigen alten, gutbetuchten Menschen heulen und meutern, jammern und wehklagen, vergessen all ihre Prinzipien und Postulate, sobald sie sich von etwas bedroht fühlen, das man weder sehen, riechen oder greifen kann. Ist Egomanie ein Zeichen des Verfalls, der Lebensuntauglichkeit? Ist Panikmache die gründlichste und sanfteste Art und Weise, sich Menschen gefügig zu machen, lenkbar, manipulierbar? Von unermeßlicher Macht, weil Angst vor etwas, das sich unserer Wahrnehmung entzieht jeden Menschen erreicht und dieser sich freiwillig selbst unterwirft. Wie genial ist diese Waffe, um über Märkte und Gesellschaften zu herrschen ohne Polizei-, Militär- und Bespitzelungsapparat. Lautlos und immens effektiv. Ist also ein totaler Weltkrieg ausgebrochen zum Wohle einiger weniger Wirtschaftsmagnaten? Eine neue Form von Diktatur, die Menschen zwingt, jedes noch so banale Bedürfnis in komplett gesteuerter Weise zu befrieden? Die totale Ausbeutung? Denkbar wäre es.

Wir sollten Gelassenheit lernen, den Medien gegenüber kritisch sein und uns daran erinnern, daß Serviceverhalten zu Unselbständigkeit führt. Denn wir können vieles, was uns lästig ist, anderen überlassen, nur sterben müssen wir allein.

Die Beherrschung verlieren

Unser Denken ist vom Glauben an die technische Beherrschbarkeit vieler unserer Probleme geprägt. Denkmuster und damit starre Verkrustungen haben sich gebildet. Es wird z.b. in Dualismen gedacht: an und aus……0 und 1 (das Grundprinzip des Computers) Es gibt das Problem und wir entwickeln die Lösung. Aber wird diese Denkweise der Komplexität unseres Lebensraumes, der Beziehung zu Menschen untereinander und zu uns selbst gerecht?

Sollten wir unsere Denkmodelle nicht erweitern, und vom Grund, also von der Wurzel her neu zu begreifen versuchen?

Ein Beispiel: Verbrennungsmotoren in den Autos sind umweltschädlich. Die Lösung : Elektroautos oder wasserstoffbetriebene Autos zu bauen

Sollten wir uns nicht eher fragen, wie wir uns in Zukunft fortbewegen wollen?

Bzgl unserer Ernährung sollten die Fragen stehen, welche Nahrungsmittel fördern das Gedeihen unseres Geistes, unserer Seele und unseres Körpers und wie erzeugen wir sie im Einklang mit der Natur, die ja uns Menschen hervorgebracht hat.

Gibt es Fortschritt und Wertschöpfung nur indem wir natürliche Prozesse zu beherrschen versuchen? Haben wir Chaos, Orientierungslosigkeit, Panik und Untergang wenn wir loslassen?

„Macht euch die Erde untertan“ lese ich in der Bibel. Der Freibrief zu Ausbeutung, Unterwerfung und Herrschaft über die Natur, von der wir selbst ein Teil sind???

Wollen wir nicht endlich die Beherrschung verlieren?

Nun, das sind Gedankensplitter von mir. Unausgereifte, hingeworfene Überlegungen. Hab‘ wohl die Beherrschung verloren….

Am Anfang steht ein Wort

…wie es so üblich ist, stelle ich mich vor:

Lisa hat das Berufs-Leben abgekürzt, arbeitet nur noch auf Zuruf und wenn es ihr behagt; Kinder, berufliche Karriere und so manche Lebensprüfung liegen gemeistert hinter ihr.

In der Muße entdecke ich jede Menge Talente und ‚gute‘ Gaben, die ich gerne entwickeln und möglichst zur Blüte bringen will. Ja, ich will! Denn ich bin quietschvergnügt und pumperlgsund und fest davon überzeugt, noch vierzig fette Jahre mit Sinn und Unsinn füllen zu können.

Wollt ihr mir folgen?

LISA LEGT LOS!

Was hat mich bewogen, einen Blog zu verfassen?

Die Welt scheint sich in meinem neuen Leben langsamer zu drehen und das macht mich kritisch, neugierig und aufmüpfig.

In der scheinbaren Ruhe entsteht breitgefächerter Wissensdurst und die Möglichkeit, selbst unterschiedlichsten Themen und Thesen nachzugehen, sie zu verknüpfen und auszuloten. Das macht ein bißchen trunken und manchmal bilden sich Denkknäuel fantastischer, bunter Art. Einerseits Hochgenuß und Höhenrausch, wenn ich die Welt schlechterdings aus den Angel hebe, andererseits sorgen Kommunikation für Erdung, Resonanz für Orientierung, Kritik für Gegenwehr und Schreiben für Essenz.

Und jetzt seid ihr dran, meine Leser:

herzlich willkommen zum Streiten!

Heute ist der 30. November und ich wundere mich, daß der graue und nebligtrübe, depressivmulmige Monat November dieses Jahr so freundlich daherkam. Oft lief ich unter luftigweißer Wolkenwatte am blauem Himmel auf den Wiesen dicht am Flußufer entlang und genoß den frischen, milden Wind.

Beim Laufen kommt auch mein Gripskasten in Bewegung. Was habe ich da gehört? Harald Lesch sagt: „Perfektion ist Stillstand“….

Wir Menschen aber entwickeln Maschinen, die perfekte Lösungen erarbeiten. Alles soll vorhersehbar und kontrollierbar sein, berechenbar und fehlerlos: das bedeutet effektiv. Wir entwickeln Autos, die uns fahren. Algorithmen, die unsere Mitarbeiter und Arbeitskollegen auswählen, Roboter, die uns das Denken abnehmen und unsere emotionalen Bedürfnisse ausbalancieren usw. Und womit beschäftigt sich dann der Mensch? Hat er weiterhin Wünsche oder Ziele, wenn diese blitzartig von Computern erfüllt werden? Haben wir dann noch eine Existenzberechtigung und woraus besteht unsere Lust, unsere Herausforderungen, unsere Fantasie unser Erfindungsgeist, unsere Zufriedenheit? Welchen Sinn geben wir unserem Dasein; welchen Sinn hat unser Leben? Es herrscht Stillstand. Der lebendige Tod.